Projekt Fahrsimulator

Geschichte
Alles begann im Sommer des Jahres 2024. Einige engagierte Mitglieder des Berliner U-Bahn-Museums spielten mit dem Gedanken, einen Fahrsimulator für das Museum zu realisieren. Die Idee war spannend, traf zunächst jedoch nicht bei allen auf unmittelbare Begeisterung. Mit viel Verständnis für bestehende Bedenken wurde das Vorhaben daher erst einmal zurückgestellt – die Idee wanderte sprichwörtlich in die Schublade.
Nach einiger Zeit ergab sich jedoch eine neue Gelegenheit: Im Rahmen unseres Projekts „Berliner U-Bahn für Trainz“ kamen wir erneut mit mehreren Museumsmitgliedern ins Gespräch und stellten ihnen unsere bisherigen Arbeiten vor. Dadurch wuchs das Interesse wieder spürbar. Erste private Versuche eines Teammitglieds zeigten zwar, dass sich grundsätzlich ein Fahrsimulator auf Basis von Trainz umsetzen lässt, jedoch wurde schnell klar, dass diese Lösung den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde. Wichtige Funktionen fehlten oder arbeiteten nur eingeschränkt – unter anderem gab es keine zuverlässige Tachodarstellung und auch keine echte Echtzeit-Auslese von Fahrzeugzuständen, etwa für Leuchtmelder oder Anzeigen.
Anfang 2025 sollte sich die Situation jedoch grundlegend ändern. Zu diesem Zeitpunkt begann unsere Kooperation mit Simuverse, die gerade an der Entwicklung von SubwaySim 2 arbeiteten. Sehr schnell wurde deutlich, dass diese Plattform genau das bot, was für unser Vorhaben notwendig war: eine moderne Simulation mit direkter Fahrzeuganbindung, Echtzeitdaten und einer realistischen technischen Basis.
Daraufhin nahmen wir erneut Kontakt mit dem Museum auf. In den gemeinsamen Gesprächen reifte rasch die Überzeugung, dass nun der richtige Moment gekommen war, das Projekt wieder aufleben zu lassen. Mit SubwaySim 2 stand erstmals eine tragfähige Grundlage zur Verfügung, um einen authentischen Fahrsimulator zu entwickeln – und damit einen neuen, interaktiven Baustein für das Museum zu schaffen.
Der Umbau
Nachdem alle notwendigen Schritte eingeleitet waren, holten wir das Fahrpult aus dem U-Bahn-Museum ab und begutachteten es zunächst in Ruhe. Dabei verschafften wir uns einen Überblick über die interne Verdrahtung sowie die verbauten Kontakte. Sehr schnell zeigte sich, dass das Fahrpult des Typs F79 eine ausgezeichnete Wahl war. Im Gegensatz zu älteren Fahrzeugen verfügt die elektrische Bremse hier über ein Potentiometer, mit dem sich die Stellung des Bremshebels stufenlos erfassen lässt – eine ideale Voraussetzung für den Einsatz in einem Simulator.
Im nächsten Schritt folgte die eigentliche „Entkernung“. Sämtliche alten Kabel und Steckverbindungen wurden entfernt, da sie für den Simulatorbetrieb nicht mehr benötigt wurden. Dies war ein wichtiger Schritt, um eine saubere und übersichtliche Basis für die neue Technik zu schaffen.
Anschließend stellten wir uns die Frage, wie sich die Vielzahl an Eingaben sinnvoll und zuverlässig auswerten lässt. Die Entscheidung fiel schnell auf einen Arduino Due. Dieses Mikrocontroller-Board bietet ausreichend Ein- und Ausgänge, um die komplexe Technik des Fahrpults abzubilden, und erwies sich bereits in der Testphase als sehr zuverlässig.
Daraufhin begann die eigentliche Verkabelung sowie der Einbau der neuen Beleuchtung. Für die Leuchtmelder entschieden wir uns für 5-Volt-LED-Einsätze, da im Originalzustand teilweise noch 110-Volt-Glühlampen verbaut waren. Da ein Arduino nur mit 5 Volt und geringer Stromstärke arbeitet, war diese Lösung sowohl sicher als auch technisch sinnvoll.
Auch das Doppelmanometer wurde umfassend umgebaut. Im Inneren übernehmen nun kleine Servomotoren die Bewegung der Zeiger. Auf diese Weise können die Anzeigen exakt angesteuert und realistische Druckwerte dargestellt werden.
Der gesamte Umbauprozess erstreckte sich über einen Zeitraum von rund drei Monaten. In dieser Zeit wurde das historische Fahrpult behutsam an moderne Technik angepasst – mit dem Ziel, die originale Optik zu bewahren und gleichzeitig eine realistische Simulation zu ermöglichen.







Die Inbetriebnahme
Die Inbetriebnahme des Fahrpults verlief insgesamt deutlich reibungsloser als zunächst erwartet. Zwar sitzt unser Programmierer nicht direkt in Berlin, doch dank der Möglichkeit zur Fernwartung und -entwicklung konnten wir alle Funktionen gemeinsam sehr gut testen.
Zunächst wurden Schritt für Schritt alle Leuchtmelder überprüft. Im Anschluss folgten die Eingaben der Taster und Hebel, bevor wir uns zuletzt den Anzeigen widmeten – insbesondere dem Tachometer und dem Doppelmanometer. So konnten wir sicherstellen, dass sämtliche Bedienelemente korrekt erfasst und die Anzeigen präzise angesteuert werden.
Nachdem diese Tests erfolgreich abgeschlossen waren, begann die Anbindung an SubwaySim 2. Dabei wurden wir von Simuverse Interactive unterstützt, die uns ihre hauseigene Schnittstelle erläuterten und uns die notwendigen Unterlagen sowie Lua-Dateien zur Verfügung stellten. Auf dieser Grundlage konnte die Kommunikation zwischen Fahrpult und Simulation umgesetzt werden.
Nach einiger Zeit intensiver Programmierarbeit war es schließlich so weit: Das Fahrpult wurde zurück ins Museum gebracht. Dort begann die entscheidende Phase des Projekts – der Moment, in dem sich zeigen sollte, ob alle Komponenten im Zusammenspiel wie geplant funktionieren und der Simulator bereit für den Einsatz ist.
Das fertige Fahrpult
Nach dem Aufbau vor Ort zeigte sich, dass – wie so oft bei technischen Projekten – nicht sofort alles reibungslos funktionierte. Es waren noch einige Anpassungen in der Programmierung notwendig, um das Fahrpult sowie das Rollband korrekt mit dem Simulator zu verknüpfen. Doch die zusätzlichen Stunden Arbeit zahlten sich aus.
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Das Fahrpult lief – und das sogar äußerst zuverlässig.
Am 09.08.2025 war es schließlich so weit: Der Tag des Nahverkehrs stand an und wir konnten unser Gemeinschaftsprojekt erstmals der Öffentlichkeit präsentieren. Die Resonanz übertraf dabei all unsere Erwartungen. Mit rund 2.000 Besucherinnen und Besuchern an diesem Tag wurden sämtliche zuvor gesteckten Ziele deutlich übertroffen. Der große Andrang und das enorme Interesse am Simulator waren überwältigend und machten diesen Tag für alle Beteiligten unvergesslich.
Bis heute läuft der Simulator stabil und zuverlässig und kann jeden zweiten Samstag im Monat im Berliner U-Bahn Museum erlebt werden.
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Weitere Informationen zum Projekt und zu den Öffnungszeiten finden sich unter:
👉 https://ag-berliner-u-bahn.de/




